Wiedergeburt 

In Joh. 3:3 steht: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Das „Wahrlich, wahrlich“ heißt: „Es ist absolut sicher.“ Nur wer von neuem geboren ist, kann in den Himmel kommen. Anders gesprochen: Ohne diese Wiedergeburt sind alle Aktivitäten eines christlichen Lebens umsonst.

Das große Missverständnis unter vielen Christen von heute ist: Sie glauben, dass Christus die Strafe für ihre Sünden getragen hat und sie darum unverdienterweise am Ende eines moderat sündigen Lebens in den Himmel kommen. Aber Christus erlöst uns aber nicht allein von den Folgen der Sünden, sondern vor allem von den Sünden selbst, sodass wir dann in Gerechtigkeit und Heiligkeit leben. Dieser Wechsel ist gleich einem neuen Leben, einer Wiedergeburt. (Röm. 6:22: Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, dass ihr heilig werdet, das Ende aber ist das ewige Leben. Hebr. 12:14: Jaget nach dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen ... Hes. 18:21: Wenn sich aber der Gottlose bekehrt von allen seine Sünden, die er getan hat, und hält alle meine Rechte und tut recht und wohl, so soll er leben und nicht sterben.)

Die christlichen Kirchen verkündigen heute – vor allem auf Beerdigungen –, dass wir alle im Leben und im Sterben „in Gott geborgen“ seien. Besorgnis um die eigene Seele, so wird man korrigiert, offenbare ein alttestamentliches Gottesbild. Dieser Meinung zum Trotz sind die besonders beunruhigenden Aussagen über die Ewigkeit alle im Neuen Testament zu finden. So wird vielen Menschen beim Jüngsten Gericht eine Überraschung angekündigt: Viele, die denken, sie kommen in den Himmel, werden nicht eingelassen, siehe z. B. Matth. 7:21-23: Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! ins Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! haben wir nicht in deinem Namen geweissagt, haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben, und haben wir nicht in deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übeltäter! Das wirklich Überraschende ist das Urteil über die Taten: Die Menschen sind sicher, dass sie christliche Taten getan haben, aber Gott hält dieselben Taten für böse Taten und verurteilt die Täter um haargenau dieser Taten, die sie für christlich hielten. Menschen also, die zu Christus und seiner Lehre unmittelbaren Kontakt hatten, können in Gottes Augen Übeltäter sein – und ahnen es nicht, Luk. 13:26-27: ... werdet ihr dann anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf den Gassen hast du uns gelehrt. Und er wird sagen: Ich sage euch: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid; weichet alle von mir, ihr Übeltäter. Wo jemand „her ist“, ob also aus Gott geboren, hat Bedeutung für die nachfolgenden Taten. Zu Erklärungen sind die Verurteilten durchaus fähig, aber ihre Worte zählen nicht. Die Bücher, die beim Jüngsten Gericht geöffnet werden, enthalten keine Erklärungen, sondern Taten. Es zählt, ob man aus Gott geboren ist und es zählen die Taten, die folgen, Offenb. 20:12+15: Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. ... Und so jemand nicht ward gefunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.

Markus 16:16 wird gern zitiert: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Klingt einfach; was aber das Glauben bedeutet, nämlich die Abkehr von aller Sünde, die Hingabe seines Lebens, seines Körpers, seines Besitzes, die Unterordnung unter Christus und sein Wort etc. zeigen viele andere Verse, z. B. Röm. 12:1: Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst; Matth. 19:23: Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich ins Himmelreich kommen; Röm. 6:16: Wisset ihr nicht: welchem ihr euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knechte seid ihr, dem ihr gehorsam seid, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?; Matth. 5:44-45: Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vater im Himmel; ...

Man kann aus Luk. 7:23 (... selig ist, der sich nicht ärgert an mir) nicht ableiten, dass jeden, den die Worte Christi nicht ärgern, sondern kalt lassen, die ewige Seligkeit erwartet. Genauso grundlos ist die Hoffnung mancher Christen, dass allein ihr naiver, kindlicher Sinn sie gemäß Matth. 18:3 in den Himmel bringen wird: Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, dass ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Kinder sind doch sorglos, warum also sich sorgen um das Himmelreich? Sie müssten auch die Erläuterung zu diesem Wort Jesu heranziehen, 1. Kor. 14:20: Liebe Brüder, werdet nicht Kinder an dem Verständnis; sondern an der Bosheit seid Kinder, an dem Verständnis aber seid vollkommen, oder Phil. 2:12: ... schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. Oder Hebr. 12:28-29: ... wir sollen Gott dienen, ihm zu gefallen, mit Zucht und Furcht; denn unser Gott ist ein verzehrend Feuer.

Zu falschen Hoffnungen verleitet auch die „Liebe-deinen-Nächsten-Philosophie“. Für viele Christen ist sie zum Zentrum ihres Glaubens geworden. Wer der Nächste ist, zeigt Matth. 25:40 (... meine[n] geringsten Brüder[n]) oder 1. Joh. 3:10 (Daran wird's offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Wer nicht recht tut, der ist nicht von Gott, und wer nicht seinen Bruder liebhat). Der „Nächste“ ist niemals „die Welt“. An welcher Stelle der „Nächste“ stehen soll, kann man Matth. 22:37-38 entnehmen: „... du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.“ Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Hier steht nicht, man soll den Nächsten mit aller Hingabe lieben, sondern man soll allein Gott mit aller Hingabe lieben. Dem Nächsten soll man in geeigneter Situation so viel Liebe erweisen, wie man sich auch selbst erweisen würde, nicht mehr und nicht weniger. Wer darum seinen Gottesdienst verkehrt in den geschäftsmäßigen Betrieb von Wohltaten an anderen Menschen, vielleicht sogar an Menschen „der Welt“, wird folgerichtig in Matth. 25:31-46 in die Hölle verdammt – zur Überraschung der Wohltäter, denn sie sind sich sicher, dass sie gute Werke der Nächstenliebe getan haben; darum verweisen sie darauf (V. 44): Herr, wann haben wir dich gesehen hungrig oder durstig oder als einen Gast oder nackt oder krank oder gefangen und haben dir nicht gedient? Diejenigen hingegen, die in den Himmel kommen, ziehen in Zweifel, dass Taten der Nächstenliebe bei ihnen vorgekommen sind (V. 38): Wann haben wir dich als einen Gast gesehen und beherbergt? oder nackt und dich bekleidet?

Wer Christus angehören will und die ewige Seligkeit erlangen will, der muss nach obigem Vers (Matth. 22:37) von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und mit allen Kräften handeln, 1. Kor. 9:25: Ein jeglicher aber, der da kämpfet, enthält sich alles Dinges: jene also, dass sie eine vergängliche Krone empfangen, wir aber eine unvergängliche. Der Kampf ist real, Eph. 6:12: Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.

Die neue Geburt nach Joh. 3:3 – es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen – erfordert das Wirken des Heiligen Geistes. Er schafft Sorge um die ewige Seligkeit, schafft Sündenerkenntnis und die Bereitschaft zur Lebensübergabe an Gott. Die Reihenfolge ist immer: 1.) Bekenntnis der Sünden, 2.) Bekehrung und 3.) Übergabe des Lebens. Der erste Schritt allein reicht nicht: Nach einem Gebet der Sündenbekenntnis – vielleicht auch mit guten Absichtserklärungen – fühlt man sich zwar erleichtert und bekommt zugesprochen, dass die Sünden vergeben sind. Man ist aber dennoch kein neuer Mensch und lebt fleischlich und in (wenigstens leiser) Freundschaft mit der Welt wie zuvor. Man möchte ja gerne Christ sein und sucht regelmäßig die Gemeinschaft von Christen auf, die einem bestätigen, dass Christus alle Sünden vergeben hat und nun alles gut sei – aber man ist dennoch ein Feind Gottes, Jak. 4:4: ... wisset ihr nicht, dass der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist? Diesen Satz richtet Jakobus an Christen.

Wir dürfen zu Christus kommen, wie wir sind (Matth. 11:28: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid ...), aber wir dürfen nicht so bleiben wollen, wie wir sind. Das erstmalige Sündenbekenntnis und alle nachfolgenden Sündenbekenntnisse sind für die Ewigkeit ohne Belang, wenn nicht eine Bekehrung erfolgt ist (vgl. Matth. 21:32). Die Bekehrung ist die willentliche, radikale Abkehr von aller Sünde und der Beginn eines geheiligten, reinen Wandels. Dazu müssen wir anerkennen, dass wir durch eigenes Verschulden und aus freiem Willen selbstsüchtig waren (bliblisch: „Lust des Fleisches“), dass also unser moralisch verderbtes Handeln nicht unserer geschaffenen Natur oder den Umständen oder anderen Menschen, sondern allein uns selbst anzulasten ist. Wir haben alle Sünden gewollt und sie darum getan. Unsere Selbstsucht, Geilheit, Bosheit, Habgier, Stolz, Faulheit, Verlogenheit etc. und unsere Blindheit für die Wahrheit Gottes ist darum in vollem Umfang unsere persönliche Verantwortung und Schuld. Wir müssen sehen und akzeptieren, dass diese Schuld die unfassbar große Strafe der ewigen Höllenqual verdient. Unsere Sünden müssen wir in dieser Klarheit Christus im Gebet bekennen und ihn um Vergebung bitten und an seine Vergebung glauben; wo möglich und angebracht, müssen wir auch andere Menschen um Vergebung bitten oder Wiedergutmachung leisten. Untrennbar gehört dazu, dass eine Frau, die es bisher nicht getan hat, sich nun ihrem Mann unterordnet und dass Jugendliche sich ihren Eltern unterordnen.

Die überlegte und entschlossene Abkehr von dem Leben in Finsternis führt ziemlich logisch zur Übergabe des Lebens an Christus: Nach dem Sündenfall bestimmte Gott, dass er sich selbst für uns Menschen opfern würde. Er kommt in der Form von Jesus Christus und lässt sich für uns kreuzigen. Es ist Gott, der gekreuzigt wird und uns damit freikauft aus der Finsternis. Wen Gott freikauft, den hat er gänzlich erworben. Gott wird zum neuen Eigner unseres Körpers, der Seele und allen Besitzes. Wir sollten ihm das Besitzrecht über das eigene Leben, über Körper, Seele und materielles Vermögen, expressis verbis zusprechen und uns in seinen Dienst stellen. Alle Erfahrung zeigt, dass genau diese totale Hingabe an Christus, und nicht weniger, dazu führt, dass der Heilige Geist Wohnung im Menschen nimmt, wie Christus es fordert, Röm. 8:9: Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. Oder Röm. 8:13: Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Der Geist Gottes kommt – und das ist dann die Wiedergeburt –, wenn wir durch unsere entschiedene Bekehrung und unsere vorbehaltlose Übergabe die Voraussetzung dafür geschaffen haben. Noch einmal: Wir müssen diesen Schritt der Buße und der Auslieferung an Gott mit aller Kraft des Willens selber tun.

Die Lebensübergabe wird in der Bibel als Einwilligung zum Kreuztragen, als Nachfolge etc. bezeichnet. Grundlage ist die nüchterne Entscheidung, freiwillig, um der ewigen Seligkeit willen, statt Ehre und Freude, Niedrigkeit und Kummer zu wählen, siehe Lukas 14, 27-28: Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe, hinauszuführen? Es ist alles oder nichts, Lukas 14, 33: Also auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein. Wer Niedrigkeit und Kummer wählt, muss sie nicht selbst herbeiführen; sie stellen sich von alleine ein. Gott verspricht, im Himmel alle Tränen abzuwischen, Offenb. 21:4: ... und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Dieser Trost ist allein denen gesagt, die in den Himmel kommen. Das heiß aber auch: Tränen, Tod, Leid, Geschrei und Schmerz war genau im Leben derjenigen zu finden, die in den Himmel kommen. Zur Stärkung hat Gott seinen Nachfolgern hier auf Erden seine Nähe und Hilfe verheißen – und seinen Geist.

Wenn der Geist Gottes kommt, verändert er unser Denken, schafft Liebe zu Gottes Wort, macht willig zur Keuschheit, richtet alle Sinne auf die Ewigkeit. Der Geist Gottes ist nicht gleich einem wohligen Gefühl, in allen Kleinigkeiten des Lebens Führungen des Himmels zu erleben. Vielmehr gibt der Geist Gottes die Einsicht, dass ohne anhaltendes und aufopferndes Gebet Gottes offenbarter Wille nicht geschehen wird.

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